Lincolnshire Posy von Percy A. Grainger

Ein berühmter „Klassiker“ für Sinfonisches Blasorchester ist ohne Frage das Werk „Linkcolnshire Posy“ von Percy A. Grainger. Es wird auch als das „Meisterwerk“ des Komponisten bezeichnet, dauert je nach Interpretation ungefähr 16 Minuten und besteht aus  6 Sätzen, die jeweils auf einem Volkslied aus Lincolnshire in England basieren. Diese Volkslieder hat Grainger selbst auf einem Trip durch diese Gegend aufgezeichnet und ins seinem typischen Stil für Blasorchster eingerichtet.

Den Stimmensatz dazu kann man sich auf der Petruci Music Library (IMSLP) kostenlos downloaden. Dort wird auch eine Aufnahme der United States Marine Band zur Verfügung gestellt. Doch ebenso berühmt wie die Komposition selbst ist auch eine Aufnahme vom City of Birmingham Symphony Orchestra unter der Leitung von Dirigent Sir Simon Rattle, zu finden neben iTunes auch auf YouTube, anhören ein Muss!

Auch spannend zum Anschauen dazu ist eine Probe von Frederick Fennell mit der U.S. Navy Band. Auch er war/ist

Frederick Fennell (* 2. Juli 1914 in Cleveland, Ohio, USA; † 7. Dezember 2004 in Siesta Key, Florida) war ein international anerkannter Dirigent, Komponist und Musikpädagoge. Er gilt als Begründer der modernen sinfonischen Blasmusik. Fennel war musikalischer Leiter des Eastman Wind Ensemble und des Tōkyō Kōsei Wind Orchestra. Er nahm über 300 Kompositionen auf 29 Musikalben für Mercury Records auf. Die moderne Form des sinfonischen Blasorchesters (Wind Ensemble) geht wesentlich auf sein Wirken zurück.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frederick_Fennell (Zugriff: 09.10.16)

Auch unter seiner Leitung gibt es viele CD-Aufnahmen, die in jede Blasorchesterdirigenten-Bibliothek gehören. Und mir persönlich gefällt an Frederick Fennell, dass er auch „ein kleiner Dirigent“ ist – gemeint ist natürlich die Körpergröße ;-)

Missa Santa Cecilia – Jacob de Haan

Die Heilige Cäcilia ist ja bekanntermaßen die Schutzpatronin der Musik und somit auch aller Musikantinnen und Musikanten in unseren Tiroler Musikkapellen. So liest man auch auf Wikipedia:

Cäcilia von Rom (* um 200 n. Chr. in Rom; † um 230 ebenda) ist eine christliche Heilige, Jungfrau und Märtyrin der frühen Kirche. Sie ist die Patronin der Kirchenmusik. Ihre Attribute sind die Orgel oder die Geige, das Schwert  und die Rose. Ihr Gedenktag ist der 22. November.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cäcilia_von_Rom

So feiern auch wir mit der BMK Matrei-Mühlbachl-Pfons jedes Jahr dieses Fest als Abschluss und gleichzeitig als Beginn für ein hoffentlich erfolgreiches Vereinsjahr. Als besonderes „Schmankerl“ habe ich mir für heuer eine aus aktueller Sicht gesehen relativ neue Messe vom niederländischen Komponisten Jacob de Haan ausgesucht. Die „Missa Santa Cecilia“ hat er genau für diesen Anlass – für den „Feiertag der Musikkapellen“ – komponiert und die lateinische Messe wurde noch relativ selten in Österreich aufgeführt. Umso mehr freue ich mich, dass ich den Gemischten Chor Matrei und Umgebung und die Chorgemeinschaft La Voce gewinnen konnte, mit mir gemeinsam diese Messkomposition für Sinfonisches Blasorchester und Gemischten Chor aufzuführen. Dabei handelt es sich um ein festliches, optimistisches, aber auch beruhigendes Werk, das stilistisch perfekt zum Gedenktag der Heiligen Cäcilia passt, wie auch Jacob de Haan selbst in seinem Vorwort schreibt.

Ich darf schon jetzt einladen: Wir feiern heuer die Cäcilien-Messe am

Sonntag, 20. November 2016 um 09.00 Uhr in der Pfarrkirche Matrei am Brenner

Als kleine Einstimmung hier einige Ausschnitte der „Missa Santa Cecilia“ von Jacob de Haan:

Dum Spiro Spero – Chris Pilsner

Einen Choral für ein (Kirchen-)Konzert zu suchen, ist gar nicht so einfach. Bei der Programmauswahl zum Kirchenkonzert der Bläserphilharmonie Osttirol bin ich glücklicherweise über „Dum Spiro Spero“ von Chris Pilsner gestolpert.

Dem Stück liegt ein Ausspruch von Cicero zu Grunde und bedeutet übersetzt aus dem Lateinischen „Solange ich atme, hoffe ich“. Dieser schöne und treffende Satz trifft auch voll und ganz auf ein Sinfonisches Blasorchester bzw. ein Harmonieorchester zu, denn ohne fließende Luft würden die Instrumente im Blasorchester nicht klingen. Und es ist wirklich unglaublich wie gut es einem Orchester tut, einen Choral zu spielen, genauer gesagt einen Choral zu proben. Wirken auf den ersten Blick die Töne doch alle so einfach, doch diese mit Leben, Ausdruck und Musik zu füllen ist eine schwere Aufgabe, auch teilweise für versierte Musiker/innen und auch für Dirigent/innen! Doch umso stärker ist auch der Effekt auf den Klang des Orchesters, denn dieser wird um Klassen besser!

Chris Pilsner ist als 1986er-Jahrgang „nur“ zwei Jahre älter als ich. Mit dem Werk Dum Spiro Spero wollte er etwas menschliches und emotional tiefgreifendes schreiben, was meiner Meinung nach durch die wunderschöne Orchestrierung gelungen ist! Also eine Empfehlung und meiner Meinung nach „noch ein Insider-Tipp“… Und einen Choral kann man ja auch bei einem „normalen“ Konzert machen.

ANNUS LITURGICUS – Kirchenkonzert der Bläserphilharmonie Osttirol

Unter dem Motto „annus liturgicus“ entführt Sie die Bläserphilharmonie Osttirol gemeinsam mit dem Kammerchor Vokalissimo Lienz am 26. September auf eine musikalische Reise durch das Kirchenjahr – Herzliche Einladung!

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Die Bläserphilharmonie Osttirol lädt zum Kirchenkonzert unter dem Motto „annus liturgicus“ (das Kirchenjahr) ein. Dabei werden neben Werken für Sinfonisches Blasorchester auch Holz- und Blechbläserensembles aus den Reihen der Bläserphilharmonie zu hören sein, genauso sowie der Kammerchor Vokalissimo Lien unter der musikalischen Leitung von Richard Engeler das Orchester unterstützen. 2015 feiert der Chor sein 50jähriges Jubiläum. Den Auftakt dazu bildet das Konzert am 26. September gemeinsam mit der Bläserharmonie Osttirol unter dem Chefdirigenten Mag. Lukas Hofmann.

Zwei Highlights des abwechslungsreichen Konzertprogramms bilden „Resurges“ von Hermann Pallhuber und das „Testament“ von David Maslanka. Letzteres erzählt vom tragischen Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Mit diesen beiden Werken wird sich die Bläserphilharmonie Osttirol unter der musikalischen Leitung von Mag. Lukas Hofmann am 18. Oktober dem Landeskonzertwertungsspiel in Innsbruck in der Kategorie „Musik in der Kirche“ stellen.

Eintritt: freiwillige Spenden.

„Die Tragische“ – Third Symphony von James Barnes

Die Tragische“ – Mit diesem Untertitel beschreibt James Charles Barnes selbst seine „Third Symphony op.89“. Der US-Amerikaner unterrichtet Musiktheorie und Komposition an der Universität in Kansas, wo er auch selbst studiert hat. Barnes selbst ist Tubist, was vielleicht u.a. auch die anspruchsvolle Tuba-Stimme erklärt. Er leitet auch das Blasorchester der Universität Kansas.

Mir gefällt dieses Werk von Barnes schon lange gut, deshalb werde ich beim nächstjährigen Konzertprojekt mit der Bläserphilharmonie Osttirol das Finale, also den 4. Satz, als Eröffnungsstück des Konzertes machen. Somit habe ich mich schon jetzt im Web auf die Suche nach dem Hintergrund des Stückes gemacht. Fündig geworden bin ich u.a. auf der Homepage der Bläserphilharmonie Heilbronn, diese hat die gesamte Symphonie auf dem Programm der Projektphase 2015. Hier die übersichtlichen Informationen dazu:

James Barnes schreibt im Vorwort der Partitur zu seinem Werk:
„Die Dritte Sinfonie war ein Auftragswerk der United States Air Force Band, Washington D.C.. Der damalige Dirigent dieses Orchesters, Col. Alan Bonner, sagte mir, er wolle ein wirklich großes Werk für Blasorchester haben. Er legte weder Wert auf Stil, Länge, Schwierigkeitsgrad oder sonst irgendetwas. Mir wurde also völlig freie Hand gelassen das zu schreiben, was ich wollte.

Ich begann an diesem Werk zu arbeiten, als ich in einer sehr schweren Lebenssituation war, nämlich kurz nachdem unser Baby Nathalie gestorben war. Diese Sinfonie ist das Werk mit dem größten emotionalen Kräfteverschleiß, das ich je komponiert habe. Müsste man ihr einen Beinamen geben – ich glaube „tragisch“ würde gut zu ihr passen.
Das Werk entwickelt sich von der tiefsten Dunkelheit der Verzweiflung bis hin zum Erstrahlen von Erfüllung und Freude.

Der erste Satz verarbeitet viel Frustration, Bitterkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – all meine eigenen persönlichen Gefühle nach dem Verlust meiner Tochter.
Das Scherzo (2. Satz) geht mit beißendem Spott und bitterer Süße an dieses Thema, was auch mit Anmaßung und der Selbstgefälligkeit bestimmter Leute in dieser Welt zu tun hat.

Der dritte Satz ist eine Fantasie darüber, wie meine Welt ausgesehen hätte, wenn Nathalie in ihr gelebt hätte. Es ist ein Abschiedslied für sie.
Das Finale (4. Satz) steht für die Wiedergeburt des Geistes, einem Versöhnungsversuch für uns alle. Das zweite Thema dieses letzten Satzes basiert auf einer alten lutherischen Hymne auf die Kinder „Weil ich Jesu Schäflein bin“. Diese Hymne wurde an Nathalies Beerdigung gesungen.

Die letzte Strophe dieses Liedes lautet:
Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
Ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen
Werd ich endlich hingetragen
In des Hirten Arm und Schoß:
Amen, ja mein Glück ist groß!

Am 25. Juni 1994, drei Tage nachdem ich die Sinfonie beendet hatte, wurde unser Sohn Billy Barnes geboren. So wie der dritte Satz Nathalie gewidmet ist, ist das Finale für Billy und ein Ausdruck unserer Freude, dass wir, nach dem tragischen Tod seiner Schwester, mit ihm gesegnet wurden.“

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Barnes malt ganz frei mit allen Harmonien und Gestaltungsmitteln, die ein Komponist Ende des 20. Jahrhunderts zur Verfügung hat, behält diese aber in den traditionellen Formen der Sätze einer Sinfonie.
Der erste Satz in c-Moll ist eine veränderte Sonatenform mit einer ausgedehnten Coda.
Der zweite Satz ist eine ABA-Form in der Subdominante f-Moll. Die äußeren A-Teile hat Barnes für Holzbläser und Schlagzeug instrumentiert, den B-Teil für Blechbläser, allerdings gedämpft. Beide Themen kommen am Ende des Satzes mit dem vollen Orchester wieder vor.
Ausgezeichnet in seiner Einfachheit ist der packend schöne dritte Satz, eine Fantasie in Des-Dur in der Form ABCABC-Coda.
Der vierte Satz in C-Dur ist wieder in Sonatenform und hält somit das ganze Werk im Gleichgewicht. Das erste Thema wird von den Hörnern vorgestellt, das zweite Thema ist, wie bereits oben erwähnt, die Melodie der Hymne auf die Kinder.

James Barnes ist sowohl Mitglied der Fakultät für Orchester- als auch theoretische Komposition der Universität Kansas, lehrt Orchestrierung, Arrangieren und Komposition und gibt Kurse in Orchesterliteratur. Er leitet sowohl die Bläsergruppe als auch das Blasorchester der Universität. Seine zahlreichen Werke für großes Blasorchester werden oft in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa und im pazifischen Raum aufgeführt.
Er erhielt zweimal den American Bandmaster Association Ostwald Award für herausragende zeitgenössische Blasorchestermusik, sowie zahlreiche Preise der ASCAP und weitere Auszeichnungen.
James Barnes reist ständig als Gastkomponist, – dirigent und -dozent durch die Vereinigten Staaten, Australien und Japan.

Quelle: http://www.blaeserphilharmonie-hn.de/index.php?page=custom&inhalt=Sinfonie%20No.%203%20%20Die%20Tragische

Aufnahmen: